SAP und Siemens machen den Sprung: Was DACH-KMU aus dem Agentic-AI-Start jetzt lernen können

Diese Woche machten SAP und Siemens gleichzeitig Schlagzeilen mit demselben Thema: KI-Agenten, die Geschäftsprozesse vollständig autonom ausführen – Bestellungen auslösen, Designschritte durchlaufen, Sicherheitsvorfälle eskalieren – ohne menschliche Genehmigung für jeden einzelnen Schritt. Der Shift von KI als Assistent zu KI als autonomem Akteur ist nicht mehr Zukunft. Er ist diese Woche Gegenwart geworden.

Was Agentic AI bedeutet – in 60 Sekunden erklärt

Ein klassischer KI-Assistent antwortet auf Fragen. Er wartet auf Ihre Eingabe, liefert Text oder Analyse, und hört dann auf.

Ein KI-Agent arbeitet anders: Er erhält ein Ziel, plant die nötigen Schritte selbst, nutzt Werkzeuge (Datenbanken, APIs, Kalender, E-Mail), und führt mehrstufige Abläufe durch – bis das Ziel erreicht ist. Nicht Schritt für Schritt mit Ihnen. Eigenständig.

SAP hat diese Woche KI-Agenten vorgestellt, die Bestellprozesse im Einkauf vollständig abwickeln: Angebot anfordern, Lieferanten vergleichen, Bestellung auslösen, Eingangsbestätigung verarbeiten. Siemens setzt KI-Agenten in der Produktentwicklung ein, die Designdokumente analysieren und Änderungsvorschläge direkt umsetzen. Kein Ticketsystem. Keine Wartezeit.

Welche Prozesse in Ihrem KMU sofort in Frage kommen

SAP und Siemens sind Konzerne – aber die Logik lässt sich direkt auf KMU übertragen. Die besten Einstiegspunkte für KI-Agenten in mittelständischen Betrieben:

  • Eingangsrechnungen: Agent liest Rechnung, prüft gegen Bestellung, bucht vor, sendet bei Abweichung eine Nachfrage an den Lieferanten
  • Kundenanfragen: Agent klassifiziert eingehende E-Mails, beantwortet Standardanfragen, eskaliert komplexe Fälle an einen Mitarbeiter
  • Terminplanung: Agent koordiniert Terminfindung, schreibt Protokoll, verteilt Aufgaben aus dem Meeting-Summary
  • Reporting: Agent sammelt wöchentlich Daten aus verschiedenen Systemen, erstellt Bericht, sendet ihn an Führungskräfte

Der Unterschied zur bisherigen Automatisierung: KI-Agenten kommen auch mit unstrukturierten Inputs zurecht – also mit E-Mails, PDFs, Formularen in verschiedenen Layouts. Das war bisher der blinde Fleck jeder Automatisierungslösung.

Was Sie jetzt konkret tun können

Der häufigste Fehler beim Einstieg in Agentic AI: zu gross denken. Konzerne wie SAP haben Jahre investiert. KMU starten mit einem Prozess.

Empfehlung für diese Woche:

  1. Identifizieren Sie den einen Prozess in Ihrem Betrieb, der die meisten repetitiven Schritte enthält
  2. Notieren Sie jeden Schritt genau – was passiert, welche Daten fliessen wohin, was passiert bei Ausnahmen
  3. Testen Sie einen einfachen KI-Agenten (Make.com + GPT-4, oder n8n) für genau diesen Prozess

Wer heute anfängt, hat in sechs Monaten einen laufenden Prozess – und eine klare Vorstellung davon, was als nächstes automatisierbar ist. Wer wartet, wird in einem Jahr SAP und Siemens nicht nur bei der KI-Nutzung, sondern auch beim Wettbewerb hinterherlaufen.

Der 10-Minuten-KI-Brief liefert jede Woche genau solche konkreten Umsetzungsideen – praxisnah, ohne Buzzwords, direkt anwendbar für DACH-KMU.

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