16 Monate Aufschub — aber nicht für alles
569 zu 45 — mit dieser deutlichen Mehrheit stimmte das EU-Parlament im März 2026 dafür, zentrale Fristen des AI Acts zu verschieben. Die Hochrisiko-Pflichten für KI-Systeme im Recruiting, in der Kreditwürdigkeitsprüfung und im Bildungsbereich gelten nicht mehr ab August 2026, sondern erst ab Dezember 2027.
Klingt wie eine Entwarnung. Ist es aber nicht.
Was verschoben wurde — und was nicht
Der sogenannte «Digital Omnibus on AI» der EU-Kommission verschiebt gezielt die Compliance-Pflichten für Hochrisiko-KI-Systeme. Das betrifft:
- KI im Recruiting: Automatisierte Vorauswahl von Bewerbungen, CV-Scoring, Video-Interview-Analyse
- Kreditwürdigkeitsprüfung: KI-basierte Bonitätsbewertung für Privat- und Geschäftskunden
- Bildungsbereich: Automatisierte Prüfungsbewertung, Zugangssteuerung
NICHT verschoben wurde die Transparenzpflicht nach Artikel 50. Ab August 2026 — also in vier Monaten — müssen Sie:
- Chatbots als KI kennzeichnen
- KI-generierte Texte, Bilder und Videos als solche markieren
- Nutzer:innen informieren, wenn sie mit einer KI interagieren
Wer einen KI-Chatbot auf seiner Website hat oder KI-generierte Inhalte veröffentlicht, muss bis August 2026 handeln. Das gilt unabhängig von der Hochrisiko-Verschiebung.
Was der TÜV und Deloitte jetzt empfehlen
Beide haben im April 2026 Zwischenstandsberichte veröffentlicht. Die Kernbotschaft ist identisch: Die Verschiebung gibt Monate, keine Jahre.
Deloitte formuliert es direkt: «Unternehmen, die jetzt mit der Compliance beginnen, sind deutlich besser aufgestellt als jene, die warten.» Der TÜV Consulting ergänzt: Die technischen Standards für Hochrisiko-Systeme werden parallel finalisiert — wer erst im Dezember 2027 anfängt, hat keine Chance auf rechtzeitige Umsetzung.
Konkret empfehlen die Berichte:
- KI-Inventar erstellen: Welche KI-Systeme setzen Sie ein? Klassifizieren Sie nach Risikoklasse (verboten, Hochrisiko, begrenzt, minimal)
- Transparenzpflichten bis August 2026 umsetzen: Das ist die harte Deadline, die steht
- Hochrisiko-Compliance parallel starten: Dokumentationspflichten, Risikomanagementsystem, menschliche Aufsicht — das braucht Vorlauf
Kostenloses Webinar am 30. April
Das Digitalzentrum Kaiserslautern bietet am 30. April 2026 ein praxisorientiertes Webinar an: «KI rechtssicher nutzen — was KMU jetzt wissen müssen.» Kostenlos, auf Deutsch, mit konkreten Handlungsempfehlungen. Für DACH-KMU-Entscheider eine der besten Möglichkeiten, sich in 90 Minuten auf den aktuellen Stand zu bringen.
Die eigentliche Frage für Entscheider
16 Monate Aufschub klingen komfortabel. Aber: Wenn Sie heute eine KI-basierte Lösung für Ihr Recruiting evaluieren oder einen Chatbot auf Ihrer Website betreiben, brauchen Sie jetzt Klarheit über Ihre Pflichten — nicht in 16 Monaten.
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Nächster Schritt
Was heisst das für KI-Regeln und Nachweise?
- Nutzung sichtbar machen: Welche Teams nutzen welche KI-Tools?
- Daten und Freigaben klären: Was darf in ChatGPT, Copilot oder andere Tools?
- Nachweise vorbereiten: Regeln, Rollen und Unterweisung dokumentieren.
DACH-Hinweis: 10min KI Brief bleibt für KMU im gesamten DACH-Raum lesbar; konkrete Praxisangebote sind zuerst CH-first formuliert.
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