Bußgelder bis 35 Millionen Euro oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes — das droht Unternehmen, die den EU AI Act ignorieren. Ab 2. August 2026 gilt die Verordnung vollumfänglich. Bis dahin sind es weniger als fünf Monate.
Was ist der EU AI Act — und wen betrifft er?
Der EU AI Act ist die erste umfassende KI-Regulierung der Welt. Er gilt für alle Unternehmen, die KI entwickeln, vertreiben oder einsetzen — überall dort, wo Nutzer in der EU sitzen. Also: praktisch jedes deutsche Unternehmen.
Drei Risikostufen entscheiden, was verlangt wird:
- Niedriges Risiko (z. B. KI-Chatbots, Spam-Filter): Transparenzpflicht gegenüber Nutzern
- Hohes Risiko (z. B. KI in HR-Entscheidungen, Kreditvergabe, Medizintechnik): vollständige Dokumentation, menschliche Kontrolle, EU-Registrierung
- Unzulässig (z. B. Social Scoring, biometrische Massenüberwachung): verboten
Was Unternehmen jetzt konkret tun müssen
Schritt 1: KI-Inventar erstellen
Welche KI-Systeme setzt Ihr Unternehmen ein? ChatGPT für E-Mails, KI-Recruiting-Tools, automatisierte Kreditprüfung? Alles muss erfasst und nach Risikostufe eingeordnet werden — schriftlich, nachvollziehbar.
Schritt 2: Hochrisiko-Systeme identifizieren
HR-Tools, die Bewerbungen vorfiltern, zählen als Hochrisiko-KI. Wer solche Systeme nutzt, braucht vollständige Dokumentation und eine klare Aufsichtspflicht. Beides muss schriftlich vorliegen.
Schritt 3: Mitarbeiterschulung dokumentieren
Seit Februar 2025 gilt bereits die Pflicht zur KI-Kompetenz-Schulung nach Art. 4 AI Act. Wer das noch nicht umgesetzt hat, ist schon jetzt in der Pflicht — nicht erst ab August 2026.
Schritt 4: Externe KI-Anbieter prüfen
Wenn Sie KI-Tools von Drittanbietern nutzen, müssen diese der EU-Verordnung entsprechen. Bitten Sie Ihre Anbieter schriftlich um eine Konformitätserklärung. Ohne diese Dokumentation haften Sie im Zweifel mit.
Was droht bei Verstössen?
Das Sanktionssystem ist klar gestaffelt:
- Bis zu 35 Mio. Euro oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes für Verstösse gegen das Verbot unzulässiger KI-Praktiken
- Bis zu 15 Mio. Euro oder 3 % für Verstösse gegen andere Pflichten
Für KMU gibt es zwar Erleichterungen bei Bürokratiepflichten — aber keine vollständige Ausnahme von Bußgeldern.
Jetzt handeln zahlt sich aus
Unternehmen, die heute aktiv werden, verschaffen sich nicht nur rechtliche Sicherheit. Sie positionieren sich als vertrauenswürdige KI-Anwender — ein echter Wettbewerbsvorteil gegenüber Kunden, Investoren und Partnern, die noch abwarten.
Der Stichtag ist der 2. August 2026. Fünf Monate sind genug Zeit — wenn man heute anfängt.
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