Arbeitsrecht und KI 2025: 7 Pflichten die Unternehmen jetzt kennen müssen

Seit dem 1. August 2024 gilt die EU-KI-Verordnung — und bis 2026 müssen Unternehmen in Deutschland konkrete Compliance-Pflichten erfüllen. Wer KI im Personalbereich einsetzt, muss dabei besonders aufpassen.

Wo KI auf Arbeitsrecht trifft

KI-Systeme im Personalwesen gelten nach dem AI Act als Hochrisiko-KI, sobald sie Entscheidungen über Menschen beeinflussen. Das betrifft mehr Unternehmen als zunächst gedacht.

Recruiting und Bewerberselektion: KI scannt Bewerbungen, filtert Kandidaten und erstellt Ranking-Listen. Diskriminierungsfreie Algorithmen sind Pflicht — das AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) gilt unverändert. Wer hier auf intransparente KI setzt, riskiert Klagen.

Leistungsüberwachung: KI, die Produktivitätsdaten erfasst oder auswertet, ist mitbestimmungspflichtig. Betriebsräte haben nach §87 BetrVG gesetzlich verankertes Mitspracherecht — das gilt auch für KI-gestützte Tools.

Kündigung wegen KI-Ersatz: Automatisierung ist ein anerkannter betriebsbedingter Kündigungsgrund, aber alle Schutzrechte bleiben bestehen. Sozialauswahl, Kündigungsfristen und Abfindungsansprüche greifen unverändert.

Was der AI Act konkret verlangt

Hochrisiko-KI-Systeme im HR müssen ab 2026:

  • Technisch dokumentiert und transparent sein
  • Regelmäßig auf Diskriminierung geprüft werden
  • Menschliche Kontrollmechanismen vorhalten
  • In einer EU-Datenbank registriert sein

Für KMU bedeutet das: Wer Standard-HR-Software mit KI-Funktionen nutzt, muss den Anbieter nach AI-Act-Konformität fragen — auch wenn man die Software nur lizenziert und nicht selbst entwickelt hat.

Vier Sofortmaßnahmen für Unternehmen

  1. KI-Einsatz inventarisieren: Welche Software nutzt KI für Personalentscheidungen?
  2. Betriebsrat einbeziehen: Vor Einführung neuer KI-Systeme — Beteiligung ist gesetzlich vorgeschrieben
  3. Anbieterverträge prüfen: Haftet der Anbieter bei Diskriminierung durch seinen Algorithmus?
  4. DSGVO-Folgenabschätzung durchführen: Bei Einsatz von KI in der Personalverwaltung empfohlen, bei Hochrisiko-KI Pflicht

Was viele KMU unterschätzen

KI-gestützte Recruiting-Tools kosten laut Branchenangaben 149 bis 499 Euro pro Monat und amortisieren sich in 12 bis 18 Monaten. Der Effizienzgewinn ist real — aber ohne rechtliche Absicherung drohen Abmahnungen, Betriebsratskonflikte oder im Ernstfall Schadensersatzklagen.

Der pragmatische Ansatz: Erst rechtlich klären, dann implementieren. Mit dem AI Act ist „erst mal ausprobieren“ kein risikoarmer Ansatz mehr.

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