18 Prozent durchschnittlicher Gender Pay Gap in Deutschland. Eine EU-Frist im Juni 2026 — in gerade mal zehn Wochen. Und laut Digital Chiefs haben die meisten Unternehmen noch nicht einmal angefangen, ihre Gehaltsstrukturen zu dokumentieren. Für KMU-Entscheider ist das jetzt ein operatives Problem, kein HR-Thema.
Was ab Juni 2026 Pflicht ist — auch für KMU
Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie (Pay Transparency Directive) ist seit Dezember 2023 in Kraft. Die Umsetzungsfrist für die Mitgliedsstaaten läuft im Juni 2026 aus. Was das in der Praxis bedeutet:
- Stellenausschreibungen: Gehaltsspannen müssen bereits in der Anzeige stehen oder spätestens vor dem ersten Gespräch kommuniziert werden.
- Auskunftsrecht: Mitarbeitende haben Anspruch auf anonymisierte Vergleichswerte — was verdienen Kolleginnen und Kollegen in ähnlichen Rollen?
- Berichtspflicht ab 100 Mitarbeitenden: Regelmässige Berichte über Gehaltsunterschiede innerhalb des Unternehmens.
- Sanktionen: Bei Verstössen und wiederholten Vergehen: bis zu 2 Prozent des Jahresumsatzes. Beweislast wird umgekehrt — nicht der Arbeitnehmer muss Diskriminierung beweisen, sondern der Arbeitgeber muss erklären, warum Unterschiede bestehen.
Was das für Ihr Recruiting bedeutet
Ab Juni können Sie keine vagen Gehaltsangaben mehr machen. „Attraktives Gehalt je nach Erfahrung“ reicht nicht. Das verändert die Dynamik bei Bewerbungsgesprächen fundamental. Gleichzeitig bietet es eine Chance: Transparente Gehälter machen Sie als Arbeitgeber attraktiver für Kandidaten, die sich sonst nicht bewerben würden.
HRworks stellt fest: Unternehmen, die bereits heute transparente Gehaltsangaben veröffentlichen, erhalten mehr und qualifiziertere Bewerbungen. Der Markt belohnt Klarheit.
Drei Sofortmassnahmen für KMU-Entscheider
- Gehaltsstruktur dokumentieren: Welche Rollen haben welche Bänder? Auch ohne formale Bewertungssysteme können Sie heute damit beginnen, Ihre Gehaltskorridore zu definieren. KI-Tools helfen, Marktdaten aus Portalen wie Kununu, Glassdoor und LinkedIn Salary zu aggregieren.
- Stellenanzeigen anpassen: Beginnen Sie jetzt, Gehaltsspannen in neue Anzeigen einzubauen. Wer wartet, überarbeitet unter Zeitdruck. Wer beginnt, kann testen, was funktioniert.
- Mitarbeitende informieren: Bevor externe Transparenz kommt, sollten interne Mitarbeitende nicht durch öffentliche Ausschreibungen erfahren, was neue Kolleginnen und Kollegen verdienen. Klären Sie das intern zuerst.
KI als Unterstützung bei Gehaltsstruktur-Analyse
KMU ohne HR-Abteilung können KI heute nutzen, um Marktgehälter zu recherchieren, bestehende Rollenprofile zu vergleichen und einfache Gehaltsmatrizen zu erstellen. Das ist keine stundenlange Aufgabe mehr — mit den richtigen Tools ist ein erster Überblick in 30 Minuten möglich.
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