Ein am 7. Oktober veröffentlichter Fachbeitrag der New Jersey Society of Certified Public Accountants nimmt den KI-Einsatz in Buchhaltungs- und Steuerkanzleien unter die Lupe. Die Autoren John F. Raspante und Nick Boscia betonen neben dem Schutz von Mandantendaten und der Prüfung von Rechercheergebnissen die Information der Mandantschaft über eingesetzte KI.
Ein Fachimpuls für die Zusammenarbeit mit der Treuhand
Im Originalbeitrag der NJCPA empfehlen die Autoren, den Einsatz von KI offenzulegen und Ergebnisse vor ihrer Weitergabe zu kontrollieren. Es handelt sich um einen US-Fachbeitrag mit praktischen Empfehlungen, nicht um eine neue Schweizer Vorschrift oder eine Studie zur Fehlerhäufigkeit. Seine Vertragsformulierungen lassen sich deshalb nicht ungeprüft in ein Schweizer Mandat übernehmen.
Unsere Einordnung: Für ein KMU ist bereits eine einfache Auskunft nützlich. Wird KI nur verwendet, um eine allgemeine E-Mail zu formulieren, oder verarbeitet sie Unterlagen aus dem konkreten Mandat? Diese Unterscheidung hilft, das Gespräch mit der Treuhand auf tatsächliche Arbeitsabläufe zu richten.
Nächster Schritt
Was heisst das für KI-Regeln und Nachweise?
- Nutzung sichtbar machen: Welche Teams nutzen welche KI-Tools?
- Daten und Freigaben klären: Was darf in ChatGPT, Copilot oder andere Tools?
- Nachweise vorbereiten: Regeln, Rollen und Unterweisung dokumentieren.
DACH-Hinweis: 10min KI Brief bleibt für KMU im gesamten DACH-Raum lesbar; konkrete Praxisangebote sind zuerst CH-first formuliert.
Zwei unabhängige Grundlagen zur Einordnung
Das NIST-Profil zu generativer KI beschreibt das Risiko überzeugend formulierter, aber falscher Antworten, einschliesslich erfundener Begründungen oder Quellen. Eine sprachlich gute Erläuterung ist daher noch kein geprüfter Buchhaltungsbefund. Für die Schweiz hält der EDÖB fest, dass das Datenschutzgesetz auch auf KI-gestützte Datenbearbeitungen anwendbar ist. Diese Grundlagen sind älter als der Fachbeitrag und ordnen ihn ein; sie bestätigen keine einzelne Kanzleipraxis.
Was heisst das für Ihr KMU?
Nehmen Sie den nächsten Monatsabschluss als Anlass für ein kurzes Gespräch mit Ihrer Treuhand. Wählen Sie eine konkrete Leistung aus, etwa die schriftliche Erläuterung auffälliger Kostenpositionen. Fragen Sie, ob dabei KI eingesetzt wird, welche Ihrer Angaben in das Werkzeug gelangen und wer die fachliche Prüfung vor der Abgabe übernimmt.
Halten Sie die Antwort in einem knappen Ablaufblatt fest: Leistung, verwendete Daten, eingesetztes Werkzeug, prüfende Person und Kontakt für Rückfragen. Lassen Sie einen bereinigten Musterfall zeigen. Vergleichen Sie darin zwei erklärende Aussagen mit den zugrunde liegenden Belegen. So sehen beide Seiten, welche Informationen eine nachvollziehbare Auskunft benötigt.
Offene Fragen sollten Sie konkret zurückgeben, etwa wenn unklar bleibt, ob Originalbelege an einen weiteren Dienst übermittelt werden. Vereinbaren Sie, wie Änderungen am Ablauf mitgeteilt werden. Das schafft eine gemeinsame Grundlage für das Mandat, ohne aus einem ausländischen Fachartikel pauschale Vertragspflichten abzuleiten.
Mit der KI-Regelmappe dokumentieren Sie Zuständigkeiten und Datenregeln für Ihre Zusammenarbeit.


