Ab August 2026 wird der EU AI Act für viele Unternehmen sichtbarer: KI-Inhalte, Transparenzpflichten und interne Kompetenznachweise rücken aus der Rechtsabteilung in den Alltag. Für KMU ist das relevante Signal nicht nur eine einzelne Frist. Es ist die Frage, ob der Betrieb überhaupt erkennt, wo KI bereits Text, Bild, Entscheidungsvorbereitung oder Kundenkommunikation berührt. Wer diese Stellen nicht kartiert, wird später hektisch nach Regeln suchen, während die Werkzeuge schon im Einsatz sind.
Die aktuelle Nachrichtenlage zur Kennzeichnungspflicht und zu AI-Act-Fristen ist deshalb ein guter Anlass für eine einfache Bestandsaufnahme. Nicht jede KI-Nutzung ist riskant. Ein internes Brainstorming ist anders zu behandeln als ein automatisch erzeugter Produktclaim, eine Kundenmail, ein Recruitingtext oder ein Bild in einer Kampagne. Genau diese Unterscheidung braucht ein KMU vor der nächsten Toolfreigabe.
Das Signal: Transparenz wird zum Betriebsprozess
Der AI Act trifft Unternehmen nicht nur über spektakuläre Hochrisiko-Systeme. In der Praxis entstehen Pflichten oft dort, wo Inhalte nach außen gehen oder Mitarbeitende KI in wiederholbaren Arbeitsfällen verwenden. Ein Blogbild, eine Produktbeschreibung, ein Supportentwurf, ein Bewerbungsranking oder ein Schulungsdokument haben jeweils andere Risiken. Transparenz bedeutet deshalb nicht, überall denselben Hinweis anzukleben. Transparenz bedeutet, pro Arbeitsfall zu wissen, was entstanden ist, wofür es genutzt wird und wer es geprüft hat.
Für die Geschäftsführung ist das eine Organisationsfrage. Wenn niemand eine Übersicht führt, entscheiden Teams nach Gewohnheit. Ein Marketingtext wird anders behandelt als ein Angebot, obwohl beide nach außen wirken. Ein interner Tabellenkommentar bleibt ungeprüft, obwohl daraus später eine Entscheidung entsteht. Die KI-Spur muss deshalb vor der Veröffentlichung und vor der Entscheidung sichtbar werden.
Die 60-Tage-Karte für KI-Inhalte
Ein pragmatischer Start ist eine 60-Tage-Karte. Sie sammelt nicht alle denkbaren KI-Themen, sondern nur die Fälle, die tatsächlich in den nächsten zwei Monaten vorkommen. Welche Inhalte gehen raus? Welche Entwürfe entstehen intern? Welche Tools sind schon in Office, Browser, Grafiksoftware oder CRM eingebaut? Welche Kundendaten, Personaldaten oder vertraulichen Informationen könnten berührt werden?
- Öffentliche Inhalte: Blog, Social, Produktseiten, Bilder, Präsentationen und Anzeigenentwürfe.
- Kundenkommunikation: Antwortentwürfe, Zusammenfassungen, Angebotsbausteine und Beschwerdefälle.
- Interne Entscheidungen: Tabellenanalysen, Priorisierung, Bewerbungsunterlagen und Risikomarkierungen.
- Nachweis: Prüferrolle, Quelle, Version und Kennzeichnungspflicht pro Fall.
- Stopplinie: keine automatische Zusage, kein Preis, keine Vertrags- oder Personalentscheidung ohne menschliche Freigabe.
Ein Beispiel aus dem KMU-Marketing
Ein Betrieb erstellt mit KI einen Fachartikel und ein Headerbild für eine Kampagne. Der Artikel beruht auf öffentlichen Quellen, enthält aber eine konkrete Nutzenbehauptung. Das Bild zeigt keine reale Maschine des Betriebs, wirkt aber wie eine Produktillustration. Ohne Regel wird beides einfach veröffentlicht. Mit einer 60-Tage-Karte wird sichtbar: Quellen prüfen, Nutzenbehauptung entschärfen, Bild als Illustration behandeln, interne Freigabe dokumentieren und bei Bedarf kenntlich machen, dass KI bei der Erstellung unterstützt hat.
Der Aufwand ist klein, aber der Effekt groß. Das Team lernt, nicht erst nach der Veröffentlichung über Kennzeichnung und Verantwortung zu sprechen. Es entscheidet vorab, welche Fälle grün sind, welche geprüft werden und welche ausgeschlossen bleiben. So wird Regulierung nicht zur Bremse, sondern zum Geländer für saubere Nutzung.
Was heute entschieden werden sollte
KMU sollten jetzt drei Entscheidungen treffen: Erstens, wer die KI-Inhaltskarte besitzt. Zweitens, welche fünf öffentlichen Contentarten in den nächsten 60 Tagen geprüft werden. Drittens, welche roten Linien sofort gelten. Das reicht für einen belastbaren Start. Wer danach ein Tool auswählt, tut es mit Kontext. Wer zuerst Tools freigibt und später Regeln sucht, erhöht nur die Aufräumkosten.
Recherchebasis: Google-News-Recherche zu EU AI Act, Kennzeichnungspflicht und August-2026-Fristen.
Nächster Schritt
Was heisst das für KI-Regeln und Nachweise?
- Nutzung sichtbar machen: Welche Teams nutzen welche KI-Tools?
- Daten und Freigaben klären: Was darf in ChatGPT, Copilot oder andere Tools?
- Nachweise vorbereiten: Regeln, Rollen und Unterweisung dokumentieren.
DACH-Hinweis: 10min KI Brief bleibt für KMU im gesamten DACH-Raum lesbar; konkrete Praxisangebote sind zuerst CH-first formuliert.


