Eine am 29. September veröffentlichte FTI-Studie zeigt eine vorsichtigere Phase beim KI-Einsatz: 60 Prozent der befragten Entscheidungsträger aus Grossunternehmen berichten, dass ihr Unternehmen im vergangenen Jahr eine geplante KI-Einführung verlangsamt, pausiert oder zurückgenommen hat. Als Gründe nennt die Untersuchung Reputations-, Regulierungs- und Vertrauensfragen.
Was die Zahl aussagt
Für die Originaluntersuchung von FTI Consulting wurden vom 5. bis 11. August 2026 insgesamt 1600 Führungskräfte in sieben Märkten befragt. Die Schweiz gehörte nicht dazu. Die Unternehmen meldeten im Mittel einen Jahresumsatz von 1,5 Milliarden Pfund. Die 60 Prozent sind deshalb keine Quote für Schweizer KMU und auch kein Beleg, dass 60 Prozent aller KI-Projekte scheitern.
FTI verkauft selbst Beratungsleistungen; die Ergebnisse sind als veröffentlichte Selbstauskünfte einzuordnen. Sie zeigen berichtete Entscheidungen, messen aber nicht experimentell, ob eine Pause wirtschaftlich besser war. Für die eigene Geschäftsführung ist daher der konkrete Grund einer Verzögerung entscheidender als die Schlagzeile.
Nächster Schritt
Was heisst das für KI-Regeln und Nachweise?
- Nutzung sichtbar machen: Welche Teams nutzen welche KI-Tools?
- Daten und Freigaben klären: Was darf in ChatGPT, Copilot oder andere Tools?
- Nachweise vorbereiten: Regeln, Rollen und Unterweisung dokumentieren.
DACH-Hinweis: 10min KI Brief bleibt für KMU im gesamten DACH-Raum lesbar; konkrete Praxisangebote sind zuerst CH-first formuliert.
Zwei unabhängige Vergleichsbefunde
Die AI Pulse Poll 2026 von ISACA, bereits im Mai vorgestellt, beschreibt ebenfalls Lücken zwischen Nutzung, Kontrolle und Schulung. Grundlage sind mehr als 3400 Fachpersonen für digitales Vertrauen weltweit. Sie ist eine eigene Erhebung und bestätigt nicht die FTI-Prozentzahl.
Näher an kleinen Betrieben liegt der OECD-Bericht von November 2025: Er beruht auf einer Befragung von über 5000 KMU Ende 2024 in sieben Ländern, ebenfalls ohne die Schweiz. Unter den Nichtnutzern nannten 50 Prozent fehlende Fähigkeiten als Hindernis. Dieser ältere Befund liefert Kontext, keine neue Oktober-Meldung.
Was heisst das für Ihr KMU?
Unsere redaktionelle Empfehlung: Besprechen Sie diese Woche einen stockenden KI-Versuch mit der Person, die ihn im Alltag betreut. Trennen Sie drei mögliche Ursachen: fehlende Daten, unzureichende Ergebnisqualität oder eine ungeklärte Zuständigkeit. Schreiben Sie die konkret fehlende Voraussetzung auf, statt das Vorhaben pauschal als Erfolg oder Fehlschlag zu etikettieren.
Vereinbaren Sie einen einzigen nächsten Nachweis und einen Entscheidungstermin. Beispielsweise prüft die Fachverantwortliche zehn Antwortentwürfe an abgeschlossenen Fällen und dokumentiert, welche Korrekturen nötig waren. Legen Sie vorab fest, welches Ergebnis für eine Fortsetzung genügt. So wird eine Pause zu einer überprüfbaren Entscheidung; sie bleibt nicht unbemerkt ein Dauerzustand.
Für klare Zuständigkeiten und verständliche Regeln im Team finden Sie Orientierung in der KI-Regelmappe für Ihren Betrieb.

